07.01.2017 – US-Geheimdienste zu Putins angeblicher Einflussnahme auf Trump-Wahl

US-Geheimdienste: Wir verdanken Putin die Aufdeckung von Wahlmanipulationen im Vorwahlkampf der Demokraten.

https://www.welt.de/politik/article160956215/Der-Befehl-zum-Hacken-kam-von-Putin-persoenlich.html

Zugegeben, die Original-Schlagzeile in dem WELT-Artikel lautet ein klein wenig anders:

„Wladimir Putin soll nach Angaben der amerikanischen Geheimdienste die Beeinflussung der US-Wahl angeordnet haben.“

So oder ähnlich ist dann auch der Tenor bei allen Veröffentlichungen unserer Leitmedien zum Thema. Aber ich finde, meine Schlagzeile passt besser. Denn:

„Die Geheimdienste machen Moskau für Hackerattacken auf Computer des Parteivorstands der Demokraten und des Stabs von Clinton verantwortlich, bei denen E-Mails gestohlen wurden. Die von der Enthüllungsplattform Wikileaks veröffentlichten Dokumente offenbarten interne Machtkämpfe unter Clintons Mitarbeitern. Unter anderem wurde auch deutlich, dass Clintons parteiinterner Kontrahent Bernie Sanders im Vorwahl-Prozess klar benachteiligt wurde.“

„Klar benachteiligt“ ist untertrieben, der wurde regelrecht gemobbt. So was will man doch wissen! Gut gemacht, Wikileaks – und ein Hoch auf den, der diese Dokumente rangeschafft hat! Ganz sicher ist man sich über die Herkunft der Dokumente aber nicht:

„Die drei Dienste stufen ihre Informationen selbst unterschiedlich glaubwürdig ein. Während FBI und CIA eine hohe Wahrscheinlichkeit zugrundelegen, dass die Informationen stimmen, stuft die für elektronische Überwachung zuständige NSA diese nur als moderat ein. Unabhängig lassen sich die US-Informationen, von denen nicht klar ist, wie sie erlangt wurden, nicht überprüfen.“

Die NSA sollte sich mit so was wohl auskennen. Aber eine „moderate Wahrscheinlichkeit“, dass etwas stimmt – ist da die Grenze zu Fake News schon überschritten? Oder ganz knapp noch nicht?

Nichts Genaues weiß man nicht… Sicher ist aber, dass der russische Auslandskanal RT ganz schlimm ist. Von dem handeln immerhin 7 von 25 Seiten des zum Thema veröffentlichten Geheimdienstreports. Der gegen RT erhobene Vorwurf lautet auf Verbreitung einer „alternativen Weltsicht“ und von „Informationen, die man sonst nirgendwo bekommt“, beispielsweise zum Thema Fracking:

https://www.dni.gov/files/documents/ICA_2017_01.pdf

Update:

Mit Spitzfindigkeiten wie einer „moderaten Wahrscheinlichkeit“ gibt man sich bei der  ZEIT nicht ab, wenn’s gegen Putin geht. Dort liest sich die Selbsteinschätzung der Dienste so: „Aus ihrer Sicht gibt es aber keine Zweifel. Alle drei Dienste betonen, dass sie von dieser Einschätzung im hohen Maße gemeinsam überzeugt sind.“ ()

http://www.zeit.de/politik/ausland/2017-01/us-geheimdienst-russland-wladimir-putin-donald-trump-wahlbeeinflussung

Durch das Umettiketieren der NSA-Einschätzung einer „moderaten Glaubwürdigkeit“ zu „keine Zweifel“ qualifizieren sich der ZEIT-Autor Greven und seine Praktikantin Gerstlauer als erste Träger meines soeben neu geschaffenen Fake-News-Award 2017. Herzlichen Glückwunsch!

 

Zur Begründung der Preisverleihung:

Der betreffende Abschnitt im Original (Hervorhebungen von mir):

„We assess Russian President Vladimir Putin ordered an influence campaign in 2016 aimed at the US presidential election. Russia’s goals were to undermine public faith in the US democratic process, denigrate Secretary Clinton, and harm her electability and potential presidency. We further assess Putin and the Russian Government developed a clear preference for President-elect Trump. We have high confidence in these judgments.

We also assess Putin and the Russian Government aspired to help President-elect Trump’s election chances when possible by discrediting Secretary Clinton and publicly contrasting her unfavorably to him. All three agencies agree with this judgment. CIA and FBI have high confidence in this judgment; NSA has moderate confidence.

Moscow’s approach evolved over the course of the campaign based on Russia’s understanding of the electoral prospects of the two main candidates. When it appeared to Moscow that Secretary Clinton was likely to win the election, the Russian influence campaign began to focus more on undermining her future presidency.

Und bei der Zeit:

„Wir kommen zu dem Schluss, dass Putin 2016 eine Kampagne angeordnet hat, um die US-Präsidentenwahl zu beeinflussen. Das russische Ziel war, das öffentliche Vertrauen in den US-amerikanischen demokratischen Prozess zu untergraben, die frühere Außenministerin Clinton schlecht zu machen und ihre Wählbarkeit und potenzielle Präsidentschaft zu beeinträchtigen. Wir gehen außerdem davon aus, dass Putin und die russische Regierung eine klare Präferenz für den gewählten Präsidenten Trump entwickelt haben.“

Soweit korrekt übersetzt. Putins persönliche Verantwortung wird dann bei der ZEIT nochmals besonders betont…

„Diese Einschätzung bestätigt die Aussagen von Präsident Barack Obama: Russland hat tatsächlich versucht, die Wahl zu beeinflussen, und dahinter steckten nicht irgendwelche russischen Geheimdienst-Verantwortlichen oder Kreml-Unterstützer, sondern Putin persönlich. Für einen Geheimdienstbericht ist dies eine ungewöhnlich eindeutige Aussage. Aus ihrer Sicht gibt es aber keine Zweifel. Alle drei Dienste betonen, dass sie von dieser Einschätzung im hohen Maße gemeinsam überzeugt sind.“

… bevor es mit der Übersetzung weitergeht. Der im obigen Originaltext hervorgehobene Abschnitt wird dabei weggelassen:

„Wir sind auch überzeugt, dass Putin und die russische Regierung danach strebten, Trumps Wahlchancen wann immer möglich zu unterstützen, indem sie Clinton diskreditierten und sie öffentlich in ein schlechteres Bild als ihn setzten (…). Wenn es für Moskau so aussah, dass Clinton wahrscheinlich die Wahl gewinnen würde, begann sich die russische Kampagne mehr darauf zu fokussieren, ihre künftige Präsidentschaft zu unterminieren.“

Und wieder muss die ZEIT ihren Lesern auf die Sprünge helfen:

„Hier machen die US-Geheimdienste klar, dass die russischen Einfluss-Bemühungen ein klares Ziel hatten: Trump zum Sieg zu verhelfen und Clinton als Präsidentin zu verhindern. Dies hatte Trump bisher immer bestritten. Obama dagegen hatte dies als Begründung für seine Strafmaßnahmen gegen Russland genannt.“

Die Einschätzung der drei Dienste bezüglich der Zuverlässigkeit der dargelegten Erkenntnisse fällt dabei unter den Tisch.

Ein nettes Detail: Die den Russen vorgeworfene Strategie, eine „künftige Präsidentschaft zu unterminieren“, ist genau das, was jetzt gerade – unter anderem durch die „Putin als Wahlhelfer“-Medienkampangne – in Bezug auf Trump passiert. Dabei wäre das doch gar nicht nötig. Trump mit seinem Twitter-Gewitter bekommt das ganz gut selber hin!

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